Storytelling und Strategie

Der Strategieabend am 18. September 2018 drehte sich um das Thema Storytelling. Nach meinem Einführungsvortrag widmeten wir uns nach kurzer Diskussion dem Thema einer Gründungsidee, die aus der Reihe der Teilnehmer kam. Es handelt sich um das Vorhaben, für „Jugendliche von 16 -35“ eine Kosmetik-Serie zu entwickeln, als Alternative zu den konventionellen Marken“. Bestehen soll das Ganze aus Duschgel, Deo etc., natürlich "natürlich"…

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Gesucht war in einem ersten Aufschlag eine „Story“. Der Gründer kam mit der Überzeugung in den Strategieabend: „Ohne Story geht gar nichts“. Da sich die Jugendlichen bei der Kosmetik den Duft selbst zusammenstellen können sollen – vergleichbar etwas wie bei MyMüsli - wurde zunächst über den Drang zur Individualität diskutiert: „Keiner will doch so riechen wie alle“ - so die These des Gründers; also diskutierte die Gruppe die Frage, ob man auf diesem Bedürfnis (auf diesem "want") eine Story aufbauen kann.

Bei der Frage, was bei Individualität überhaupt Thema wird, kommt man besonders bei jungen Männern schnell beim Thema Heldentum an. Und da die Produkte dem Gründerteam zufolge (Vater und Sohn waren gemeinsam gekommen) vor allem auf Jungs zielen, kamen schnell Ideen zum Heldentum: „Ich mach mir meinen eigenen Duft“, „Ich bin mein eigener Held.“ Modernes Heldentum eben. Es kamen auch Ideen wie „Revier markieren“ und so weiter. Alles Ideen, aus denen man sicher witzige "Stories" basteln kann, die sich, mit einem treffenden Slogan auch in den sozialen Medien verbreiten könnten.

Aber geht es beim "Storytelling" wirklich um solche Geschichtchen? Folgerichtig stellte sich an dieser Stelle die Frage, wie lange eine solche Kampagne (oder Story) denn trägt. Und ob es beim Storytelling denn wirklich bloß um das Erzählen irgendeiner Geschichte geht, die Aufmerksamkeit bekommt und die man dann via Werbung oder über soziale Medien verbreitet.  

Eigentlich, das war auch die Essenz des Vortrages, geht es beim Storytelling doch vor allem um Identifikation, um Authentizität, um Glaubwürdigkeit. Es geht umd "the story of your life"! So kam die Idee, ob in der Gründungsidee vielleicht eine „Vater-Sohn-Geschichte“ drin stecken könnte. Immerhin kam ja der Sohn mit zum Strategieabend und die beiden präsentierten die Idee als eine gemeinsame. Ich selbst habe allerdings keine „packende“ Vater-Sohn-Geschichte hier gesehen; aber die Idee ist es sicher wert, dass man darüber noch einmal nachdenkt.

Die Social-Media Expertin des Abends, Alexandra Inselmann erzählte als Erfolgsbeispiel eine Geschichte von einer berühmten, weil reichen Amerikanerin, die wochenlang die Forbes-Liste angeführt hatte, weil sie mit ihrer Kosmetik innerhalb kürzester Zeit eine Riesesumme verdient hatte. Und Alexandra  berichtete über die kleinen und einfachen „Geschichtchen“ die diese Amerikanerin in den Sozialen Medien verbreitet hatte und es entstand kurz die Frage, ob man so etwas nicht nachmachen könne.

Schnell kam der Einwand, unsere Gründer seien ja weder bekannt, noch reich. Meine Frage, die diese Diskussion dann stoppte, war welche Geschichte diese reiche Amerikanerin den Girlies denn wirklich erzählt hatte. Aus meiner Sicht war es die Geschichte vom reichen Mädchen, die bei den Gils auf fruchtbaren Boden gefallen und bei ihnen eine "Weltanschauung" aktivieren konnte, die da lautete: „Wenn ich dasselbe mache, wie meine Idol, meine Peergroup, dann, ja dann werde ich auch so“…

Die Miss Forbes hatte also streng genommen die Geschichte von „Tue das, was ich tue  (nutze meine Kosmetik) und du wirst genauso reich und schön wie ich werden!“ Irgendwie auch ein bisschen eine Aschenputtel-Geschichte, oder? Fehlt nur der Prinz, aber der ist ja bei solchen Mega-Erfolgsstories bekanntlich auch nicht weit…

Also diese Story taugte definitiv nicht als Vorbild für unsere beiden Gründer. Was aber dann? Ein wirklich spannender Einwurf kam vom „Outsider“ Dr. Michael Hütt der meinte, er wisse zwar nicht allzu viel über olfaktorische Wirkungen, aber für seine Wahrnehmung gehe es dabei doch immer um Anziehung und um sexuelle Interessen. Zwar stieg niemand wirklich auf das Argument ein, aber manchmal entfalten gute Gedanken ihre Wirkung unterschwellig und unbemerkt.

So ebnete dieser Einwand den Boden für eine wirklich interessante anschließende Zielgruppen-Diskussion, mit der wir dann endlich den Boden der Mewes-Strategie betraten. Diese fing an bei den Zweifeln, ob denn 17-35 überhaupt eine Zielgruppe ist, spann sich weiter über die Frage, ob Jugendliche denn ganz generell die richtige Zielgruppe für ein 15-Euro Duschgel sind und gipfelte in dem spannenden Einwurf von EKS-Urgestein Gunter Steidinger, der meinte, die eigentliche Zielgruppe müssten doch die Mädels oder besser die Frauen sein, die mit dieser Kosmetikserie endlich die Chance bekämen, sich genau den Mann zu „schaffen“ den sie dann auch riechen können. Denn tatsächlich scheitern die meisten Partnerschaften (nicht nur im Frühstadium) daran, dass man den anderen „nicht riechen kann“.

Und so wurde an unserem Strategieabend eine Kosmetik-Serie geboren, mit der man sich seinen Partner ganz individuell "erschaffen" kann. Eine die in einem ganz entscheidenden Punkt die Natur austrickst, indem sie dafür sorgt, dass man seinen Partner wirklich "riechen kann". Vielleicht hat diese Idee das Potenzial für eine großartige Erfindung. Wenn ja, dann liegt genau hier die Idee für eine "großartige Story". Klar, dass man die noch im Detail entwickeln muss. Aber wie war das nochmal? Rom wurde ja auch nicht an einem Strategieabend erbaut…

Ganz herzlichen Dank in jedem Fall an alle, die ihren Beitrag zu diesem spannenden Strategieabend geleistet haben und einen ganz besonderen Dank an Vater und Sohn Gahn, die mit ihrer Idee den Abend bereichert haben.

About the Author Angela Imdahl

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